NPD-Landesverband Sachsen-Anhalt

27.05.2012

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Der Aufstand der Alten in Spanien - Und bei uns?

Von Heidrun Walde - Die europäische Geschichte ist bekanntermaßen auch nach ihren gesellschaftlichen Systemen eingeteilt. Nach den Sklavenhaltergesellschaften kam irgendwann der Feudalismus, später das Industriezeitalter, die aktuelle Epoche wird heute oft als Dienstleistungszeitalter bezeichnet. Vielleicht finden die Menschen späterer Zeiten auch einen anderen Namen für das Europa des frühen dritten Jahrtausends: Das Zeitalter des Sozialabbaus. In nahezu allen Ländern des westlichen, südlichen und mittleren Europas nutzen Politbonzen und ihre Helfershelfer die allgegenwärtige Verunsicherung, die eine herbeifabulierte Krise wie die des Euros nun einmal mit sich bringt. Doch nicht in allen Ländern nehmen die Menschen den Griff in ihre Geldbeutel so widerspruchslos hin wie in Deutschland.

Ein positives Beispiel ist Spanien. Auch hier ist die angebliche Eurorettung auf Kosten der Kleinen längst Teil der Tagesordnung, doch es regt sich Widerstand. Und der kommt aus einer Richtung, aus der man ihn kaum erwartet hätte. Im Land der Toreros und Orangenhaine gehen die Alten für die Jungen auf die Straße. Rentner besetzen aus Protest gegen Bankenrettungspakete Banken, Großeltern legen im Widerstand gegen exorbitante Fahrpreiserhöhungen im ÖPNV ganze Nahverkehrsnetze lahm und okkupieren Gesundheitsämter, um so gegen die Kürzungen im Gesundheitswesen mobil zu machen. Schulen und Universitäten? Dito!

Ein wenig anders sieht es rund 1000 Kilometer nordöstlich aus. Zwischen Rhein und Oder lebt heute noch eine satte und hochzufriedene Rentnergeneration der Geburtsjahrgänge 1930 bis 1940, aus welcher sich auch ein runder Großteil der deutschen Bevölkerungshälfte rekrutiert, die an Sonntagen zur Wahlurne geht und ein Kreuz bei den bundesrepublikanischen Uraltparteien macht. Wer 1960 CDU oder SPD gewählt hat, macht das meist auch heute noch. Diese stimmgewaltige Minderheit mit Silberlocken und beiger Kleidung lässt es sich in Cafés und Restaurants gut gehen, fährt fünf Mal im Jahr in den Urlaub und lässt den lieben Gott im Hinblick auf das Morgen einen guten Mann sein.Dies sind Fakten, keine Vorwürfe gegen ein Generation, die nach 1945 die Ärmel hoch gekrempelt und die Trümmer weggeräumt hat. Doch zurück zu unseren Nachnachbarn: In Spanien gibt es die hier vorsichtig umschriebene Generation der Sozialsuperversorgten nicht. Fast könnte man vermuten, dass weniger Wohlstand im Alter den Blick für die gesellschaftlichen Probleme - auch für die der Zukunft - schärft. Doch auch in Deutschland findet ein Wandel statt, und zwar auf ganz natürlichem Weg. Bei den 70- und 80-Jährigen der nahen Zukunft wird es immer öfter “Aldi” statt “Karstadt” heißen, gewissermaßen mehr Frust als Lebeschön. Welche politische Dimension diese Veränderung mit sich bringt, kann man in Spanien sehen, jedenfalls dann, wenn das Geld für den dortigen Urlaub noch reicht.

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