Stadtjugendring Halle: Zehn Fragen an Andreas Karl
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- Erstellt am Freitag, 15. Juni 2012 16:53
Im Rahmen von Wahlprüfsteinen befragt der Stadtjugendring Halle (Saale) - gemeinsam mit der Liga für freie Wohlfahrtspflege - die OB-Kandidaten nach ihren Positionen zu sachbezogenen Themen. Berechtigterweise, denn auch auf diesem Feld gibt es erheblichen Nachholebedarf. Hier die Fragen an und die Antworten des NPD-Kandidaten Andreas Karl:
Es liegt nicht immer nur an den Finanzen, um unserer Stadt ein menschliches und solidarisches Gesicht zu geben. Worauf kommt es an? Worauf setzen Sie?
Andreas Karl: Es kommt tatsächlich nicht immer - und ich bin sogar davon überzeugt, dabei handelt es sich um die Mehrheit der Gelegenheiten - auf den Umfang der zur Verfügung stehenden Mittel an. Genauso wie überall in unserem Land leben auch in Halle viele Menschen mit einer positiven sozialen Grundeinstellung, die eine Bereicherung und wesentliche Stütze für das Gemeinwesen darstellen. Es gibt aber auch viele Menschen, die sich mittlerweile aus ihrem darauf abzielenden ehrenamtlichen Engagement zurückgezogen haben, weil sie dafür niemals eine Würdigung (nicht zu verwechseln mit Honorierung) erfahren haben. Hinzu kommt eine große Gruppe, die den sozialen Sektor als „Selbstbedienungsladen“ missbraucht und auf viele sozial engagierte Menschen abschreckend wirkt. Dem gilt es entgegen zu wirken.
Wie möchten Sie die Sozialpolitik in Halle (Saale) gestalten und welche Konzepte haben Sie, eine positivere Sozialprognose in Halle zu erreichen? Wie wollen Sie Jugend- und Sozialarbeit in Halle sichern und damit Planbarkeit gewähren?
Andreas Karl: Die Sozialpolitik und deren greifbare Ausformungen müssen den Menschen zugewandt sein und dürfen sich nicht ausschließlich an Gesetze und Regeln orientieren. Beispielsweise trete ich dafür ein, Sozialarbeitern, welche diese Bezeichnung wirklich verdienen, weil sie beispielsweise ihre Qualifikation unter Beweis gestellt haben, mehr Entscheidungskompetenz bekommen.
Chancengleichheit entsteht dadurch, dass Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft zusammenleben, voneinander lernen und profitieren können. Davon ausgehend: Machen Sie drei konkrete Vorschläge, wie Sie in den kommenden fünf Jahren die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt fördern wollen!
Andreas Karl: Die Positionen meiner Partei, und damit natürlich auch meiner Person, zum Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher „kultureller“ Herkunft dürften Ihnen zweifellos bekannt sein. Jedenfalls dann, wenn Sie mit „Herkunft“ Kulturkreise meinen, die ihre traditionellen Wurzeln nicht in Deutschland haben. Es gibt jedoch auch im inländischen Bereich „soziale Unterschiede“, und leider darauf aufbauend auch unterschiedliche kulturelle Prägungen. Die Kinder einer von staatlicher Alimentierung lebenden Familien werden fast immer ein anderes Kulturbewusstsein entwickeln, als die Kinder aus einer Professorenfamilie. Dies wird durch die gravierenden Unterschiede bei den angebotenen und höchst selektiven Bildungschancen noch massiv verstärkt. In Deutschland wurde in den letzten Jahrzehnten schleichend ein System von „Elitebildungseinrichtungen“ installiert, damit Frau Professor und Herr Staatssekretär den eigenen Nachwuchs nicht mehr auf „normale“ Schulen schicken müssen. Der Hauptgrund hierfür ist die Verwahrlosung der „normalen“ Schulen, die heute kaum noch in der Lage sind, Kindern und Jugendlichen das notwendige Rüstzeug für das Leben mit auf den Weg zu geben. Und worin dieser Missstand begründet ist, muss ich Ihnen sicher nicht erklären!
Wie denken Sie über Kommunale Bildungslandschaften? Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach aktuell und zukünftig Schule im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit? In welchen Themenfeldern sehen Sie hier die Schwerpunkte?
Andreas Karl: Auf Grund der immer weiter eingeschränkten Handlungsspielräume der Kommunen liegt insbesondere hier - wie bei Frage drei schon angedeutet - vieles im Argen. Da mir keine Informationen darüber vorliegen (Ehrlicher formuliert: Ich habe derzeit keine Ahnung), welchen Stellenwert Kinder- und Jugendarbeit im schulischen Bereich einnimmt, kann ich Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich stelle mir aber vor, dass durch die Stärkung dieses Bereichs viele Probleme an den öffentlichen Schulen gar nicht erst entstehen würden.
Oftmals stehen statt des Wohles und der Würde der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen finanzpolitische Erwägungen und statistische Feinheiten im Mittelpunkt der Diskussionen. Wie werden Sie Ihren Fokus ausrichten.
Andreas Karl: „Kinderarmut ist nicht hinnehmbar“ lautet meist die Antwort von Vertretern der etablierten Politik auf diese Frage. Ich glaube, dass alleine dieses Wort nichts weiter als ein zeitgenössischer Modebegriff ist. Kinderarmut ist auch für mich nicht hinnehmbar, denn Kinder werden immer von Erwachsenen in irgendein soziales oder gesellschaftliches Korsett gesteckt. Und so gibt es eben Kinder mit „Markenbewusstsein“, und Kinder, die nicht genug zu essen bekommen. Zumindest was die Möglichkeiten der Einflussnahme seitens der Öffentlichen Hand angeht, dürfen finanzpolitische Erwägungen keine Rolle mehr spielen. Selbst dann nicht, wenn an anderer Stelle spürbare Opfer gebracht werden müssen. „Kinderarmut ist nicht hinnehmbar“ darf kein Lippenbekenntnis sein.
Die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement werden immer schwieriger. Zunehmende schulische und berufliche Belastungen, mangelnde Anerkennung und drohende finanzielle Kürzungen hindern insbesondere junge Menschen, ehrenamtlich aktiv zu werden. Öffentliches Lob durch die Politik reicht als Motivation nicht aus! Machen Sie drei Vorschläge, um weitere Anreize für ehrenamtliches Engagement zu erhalten, auszubauen oder neu zu schaffen?
Andreas Karl: Teilweise bin ich schon in Frage eins auf dieses Thema eingegangen. Drei Vorschläge habe ich im Moment nicht. Aber beispielsweise könnte ehrenamtlich engagierten Menschen ein Pass ausgestellt werden, der die kostenfreie Nutzung kommunaler Einrichtungen ermöglicht. Diese Idee formulierte gestern auch einer meiner Mitbewerber bei der Vorstellungsrunde in der Ulrichskirche. Ich habe sie aber dort nicht „geklaut“, sondern denke selber schon geraume Zeit darüber nach. Grundsätzlich sollte - vielleicht erst einmal auf den Sozialsektor beschränkt - ein Freiwilligenverband eingerichtet werden, dem dann ein größeres politisches Mitspracherecht zugestanden wird. Beispielsweise ein permanenter Sitz im Stadtrat.
Was zeichnet für Sie eine familienfreundliche Stadt Halle (Saale) aus? Welchen Stellenwert hat für Sie die Familienverträglichkeitsprüfung der Stadtverwaltung?
Andreas Karl: Ich bin fest davon überzeugt, dass die klassischen Konzepte wie „genügend Spielplätze“, viele Kindergärten usw. heute nicht mehr ausreichen, um eine Stadt kinderfreundlich zu gestalten. Insbesondere in den sogenannten sozial schwachen Gebieten muss den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, über das eigene Klettergerüst hinauszuschauen. Zur „Familienverträglichkeitsprüfung“ der Stadtverwaltung kann ich nichts sagen, da ich mich damit noch nicht beschäftigt habe. Das Wort hört sich erst einmal gut an, aber man muss sehen, was dahinter steckt. Eine leere Worthülse, oder greifbare Maßnahmen, die wirklich zur Verbesserung des Alltags von Familien mit Kindern in der Stadt beitragen?
Kinder und Jugendliche haben eine eigene Sicht auf unsere Stadt. Was unternehmen Sie, um Kinder und Jugendliche stärker an Entscheidungsprozessen zu beteiligen? Gibt es Beteiligungsstrukturen, die Sie aus- bzw. aufbauen wollen?
Andreas Karl: Ich bin immer bereit, neue Wege zu gehen - und sie mir von Seiten, die ich als kompetent erachte, auch aufzeigen zu lassen. Vom Sinn einer Einbindung von Kindern und Jugendlicher in Entscheidungsprozesse bin ich nicht überzeugt. Ich weiß aber auch, dass grade in dem von Ihnen vertretenen Lebensbereich vieles im Argen liegt und neue Ideen notwendig sind, um den Missständen nachhaltig zu begegnen. Konkrete Beispiele Ihrerseits würden bei der Beantwortung Ihrer Frage daher äußerst hilfreich sein.
Zuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit und auch für die soziale Arbeit waren in der Vergangenheit immer wieder von Kürzungen betroffen. Mit welchen drei Argumenten werden Sie sich gegen bestehende Kürzungstendenzen in diesem Bereich aussprechen?
Andreas Karl: Kinder sind unser aller Zukunft. Kinder sind unser aller Zukunft. Kinder sind unser aller Zukunft. Gut, diese „drei“ Argumente klingen plakativ, aber darunter kann man alles vereinen, was eine sinnvolle Förderung der Kinder- und Jugendarbeit unabdingbar macht.
Welche Werte sollten Politiker vorleben? Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit und Maß – in welchem dieser vier Kardinaltugenden sehen Sie ihren Charakter am besten umschrieben?
Andreas Karl: Ich denke, dass Gerechtigkeit für einen Oberbürgermeister das wichtigste Rüstzeug für sein Amt sein sollte. Dann kommt der Mut, um diese Gerechtigkeit gegenüber dem Stadtrat und der Verwaltung auch durchsetzen zu können. Im Mittelalter sprach man von „die Maze“, also dem Maßhalten, der Mäßigung. Ich denke mich hier nicht verstecken zu müssen, denn ich habe immer gesagt, dass ich von meinem OB-Gehalt monatlich 1000 Euro an das Waisenhaus spenden werde, und zwar als „Spaßgeld“, welches nicht in den normalen Etat für Milch, Brot oder Bettwäsche einfließen wird. Und das ist kein PR-Gag von mir. Tapferkeit: Nun ja, leider heute für viele ein fast nebulös und antiquiert anmutender Begriff, dessen Inhalte wohl eher unter „Mut“ verstanden werden. Mir wird es zumindest nicht an Mut mangeln, in Halle aufzuräumen und mit Filz, Korruption, Ämterschacher, Cliquenwirtschaft und Amtsmissbrauch Schluss zu machen.
Herzlichst und mit allen guten Wünschen für Ihre Arbeit
Ihr Andreas Karl



