Die guten Zeiten sind vorbei! - Ein Kommentar von Michael Grunzel
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- Erstellt am Montag, 23. April 2012 17:47
Es war so schön! Morgens wurde ich beim Bäcker in der Warteschlange vorgelassen und die Mehlmütze schnitt meinetwegen grundsätzlich ein frisches Blech an. Mittags grüßten mich auf der Straße ehrfurchtsvoll Menschen, die mir völlig unbekannt waren und abends durfte ich bei einer Verkehrskontrolle nach einem kurzen polizeilichen Blick in mein Gesicht weiterfahren; trotz fehlendem Gurt, Handy am Ohr, und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass der Beamte die halbvolle Kognacflasche auf dem Beifahrersitz nicht gesehen hat. Dabei bin ich weder Rockstar oder Spitzensportler, und ich habe auch nicht das Mittel erfunden, mit dem man Krebs und den Hunger auf der Welt gleichzeitig besiegen kann.
Ich bin nur ein popliger Provinzfunktionär einer rechten Kleinpartei, die nach Aussage einiger Politiker, denen der deutsche Michel trotz besseren Wissens immer noch ein gewisses Maß an Vertrauen entgegen bringt, allerdings über einen mit Schalldämpferpistolen bewaffneten Arm verfügt, der im Bezug auf unliebsame Mitbürger nicht lange fackelt. Man mag gar nicht glauben, wie lecker in den letzten Monaten das Essen bei meinem Chinesen (naja, eigentlich Vietnamesen) war. Der Reisschnaps stand immer auf dem Tisch, aber nie auf der Rechnung! Genau genommen handelt es sich um nacherlebte Geschichte, erfuhren doch „damals“ auch die Leute mit dem Gelben Stern angesichts staatlicher Repressionen einiges an Sympathie und freundlicher Aufmerksamkeit durch die einfachen Menschen.
Und nun? Alles aus, alles vorbei! Schon die Aussage von Bundeskanzleress Merkel (der NSU ist nicht der bewaffnete Arm der NPD) ließ wenig Gutes erahnen, jedoch hielten sich die negativen Folgen noch in überschaubaren Grenzen (ich muss mich wieder an der Hausordnung beteiligen, obwohl mein Name auf der 2012er-Karte gar nicht mehr vermerkt war). Immerhin, wenn Merkel mit irgendwelchen Abkürzungen um sich wirft denkt derzeit sowieso jeder, es gilt mal wieder irgendeine Bananenrepublik zu retten. Das Wort des obersten deutschen Deutschenverfolgers - genannt Bundesinnenminister - wiegt da schon wesentlich schwerer.
Leider konnte auch dieser Mensch nicht die Klappe halten und musste die Merkelmeinung nachplappern. Die Folgen ahnt man schon: Ich steh morgens wie der letzte Depp beim Bäcker in der Schlange und die Kognacflasche fährt wieder im Kofferraum spazieren. Bleibt nur die Hoffnung, dass Deutschlands gleichgeschaltete Presse nicht auf das Gewäsch der Berliner Polithasardeure hereinfällt und schön weiter das Märchen von der „NPD - SA“ herausposaunt. Ich habe mich nun einmal daran gewöhnt, beim Kaufmann für den Champagner nur den Schaumweinpreis zu bezahlen!



